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Es schlängelt...

Oft begleite ich meinen Mann beim Strahlen. An einem Morgen sind wir in ein wunderschönes Tal im Haslital aufgestiegen. Der Weg wird wohl nur noch von Jägern und Strahlern benutzt. Mein Mann ging vor mir. Plötzlich zuckte er zusammen und blieb wie angewurzelt stehen. Schon hörte ich ein Zischen und schaute sofort ins Gebüsch neben ihm. 

Das war das Einzige, was ich noch erblickte (siehe Bild oben): Eine Kreuzotter im Abmarsch! Sie hatte das bekannte zickzackartige Muster auf dem Rücken.
Sie war von uns überrascht worden, während sie sich auf dem Weg sonnte. Meinen Mann gruselte es etwas. Er mag Schlangen nicht besonders. Wir gingen weiter.

 

Etwa zwei Stunden später ruhte ich mich gemütlich allein auf einem Stein aus. Dabei lehnte ich mich an die steinige Rückwand und lernte in Gedanken vertieft Spanisch. Nur wegen dem Ruf meines Mannes schaute ich auf.

Da nahm ich aus dem Augenwinkel links von mir eine Bewegung wahr. Ich schaute genauer hin. Hätte ich meine Hand ausgestreckt und hängen gelassen, hätte ich problemlos eine dunkle Kreuzotter berühren können, die sich wegen der Hangschräge ungefähr auf meiner Hüfthöhe befand… UND sie kam unentwegt in direkten Kurs auf mich zu! (Randbemerkung: Ich war wirklich froh, hatte ich nicht die Grösse einer Maus und doch … )

 

Obwohl ich die Schweizer Schlangen faszinierend finde, ist selbst mir diese Nähe zu kuschelig! 

Was machen? Lange Zeit zum Studieren hat man da nicht!

 

In Zeitlupe erhob ich mich und drehte mich kaum wahrnehmbar langsam etwas weg. Da hielt das Tier inne. Mein Verhalten schien es nicht zu erschrecken. Es kam noch näher, um kurz vor einer tatsächlichen Berührung mit mir, gemütlich die Richtung zu wechseln und um ebenso gemächlich aufwärts den Hang weiter zu schleichen. Das Reptil kam mir tatsächlich so nah, dass ich selbst die Zeichen seiner Identität ganz nah betrachten konnte: Nämlich die Kopfform mit den senkrecht geschlitzten Schuppen auf den Augen und das X (oder bei anderen Schlagen ein V) auf dem Kopf.

Dies sind unverkennbare Kennzeichen dafür, dass sie diese Giftschlange ist!

 

Ich wusste, wenn ich sie nicht in Angst versetze, verschwendet sie nicht ihr wertvolles Gift an mich. Denn sie weiss, bis es wieder produziert ist, kann sie keine andere Beute fangen, und ich bin ein zu grosser Brocken für sie. Also gäbe es nichts zu futtern wegen mir! Ich hatte gelesen, dass Schwindel und Herzrasen Reaktionen von einem Biss sein können. Ihr Gift könnte mir also nicht allzu sehr schaden. Doch ausprobieren wollte ich es natürlich nicht!

Dann schlängelte sie gemütlich davon und verschwand wie sie gekommen war in einer Seelenruhe in einem Erdloch im Geröll nicht weit von mir. Das gab mir die einmalige Gelegenheit sie ausführlich aus nächster Nähe zu fotografieren. Glücklicherweise hatte ich nämlich den Fotoapparat angehängt :-)!
Erst als sie weg war, merkte ich wie laut mein Herz schlug. Der Moment war absolut einzigartig gewesen! Etwas, was ich noch nie so hautnah erlebt hatte! Es machte mir ziemlich Respekt, erfüllte mich aber gleichzeitig auch mit grosser Freude! Es war und blieb ein wunderschöner Moment mit diesem ungefähr 80 cm langen Bewohner der Berner Alpen (das ist recht lang für eine Otter)! 

Was habe ich daraus gelernt? Nie Mineralien suchen im Berner Oberland ohne feste Handschuhe! Denn das Erdloch in das sie verschwand, hätte durchaus auch ein Ort sein können, wo man die begehrten Steine finden könnte ...

Huch, das wäre wirklich nicht gerade angenehm, nicht!?

Steckbrief der Kreuzotter

Familie:               Vipern  / giftig

Art:                      Kreuzotter

Grösse:               maximal 85 cm
                             meist zwischen 50 – 70 cm
Gewicht:              ca. 100 bis 200 g

Färbung:             variabel:
                             von silbergrau, braun, rotbraun bis schwarz

Zeichnung:          Rücken mit Zickzack-Band

Kennzeichen:      auf dem Kopf X oder V

Augen:                 Schuppen auf den Augen

Vielleicht fanden Sie es eher gruselig? Nun dann ist Schmunzeln angesagt, nicht?

Also, ab zur Schmunzelecke:

Fragt eine Schlange in der Wüste ihre Mutter: «Mama sind wir giftig?» «Ja. Wieso?»
«Puh, ich habe mir gerade auf die Zunge gebissen!»  

Zwei Schlangen treffen sich. «Na, wie geht's denn so?», fragt die eine. Strahlt die andere: «Toll, seit ich beim Optiker war, hat sich mein Liebesleben rapid verbessert!» «Wie geht das denn?», staunt die Schlangenkollegin. «Dank meiner neuen Brille habe ich gesehen, dass ich seit Jahren mit einem Gartenschlauch zusammengelebt habe!»

 

Kommt ein junges Mädel ins Zoogeschäft und möchte ein kleines Kaninchen. Der Verkäufer fragt: «Welches hättest du denn gerne? Das süße, schwarze mit der Stupsnase oder das weiße mit dem wuscheligen Fell?» «Ach wissen sie», antwortet die Kleine «das ist meiner Boa völlig egal!»

 

Was ist eine Brillenschlange ohne Brille?

Eine Blindschleiche!

Ich weiss nicht, ob Sie Schlangen mögen? Für mich ist es wie jede Begegnung in der Natur: Ich finde es zum Staunen. Ich bewundere gern alle Geschöpfe und kann mich kaum an einer tierischen Begegnung satt sehen. Wäre die Begegnung mit einer Schlange im Ausland, sähe es aber anders aus! Wir haben keine Schlangen, deren Gift uns töten könnte. Dort hätte ich natürlich auch mehr als nur Respekt... Nächstes Mal erzähle ich dann vielleicht noch von einer anderen herzigen tierischen Begegnung, die wohl die Meisten einer Schlange vorziehen würden! Sie ist wuschelig weich und neugierig! Lassen sich einmal überraschen :-)!

 

In der Zwischenzeit wünsche ich Ihnen wunderschöne Sommertage und viele gute Begegnungen! Nachfolgend kommt noch das beliebte Video ... nichts Tierisches, falls Sie mehr etwas Beruhigendes, Menschliches, Ferienmässiges suchen ... :-)!

 

Herzlich

 

 

Irene Hunziker

Download
Der Genuss auf etwas Ferienidylle für alle die zu Hause sind!
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VORANZEIGE

Einladung zur Buchpräsentation

 

Der steinige Pfad ins Licht (2. Buch)

 

Dienstag, 13. Oktober 2020

Gemeindebibliothek, Kirchgasse 13, 3714 Frutigen

Beginn um 19.30 h Uhr
Umrahmung mit Musik und Bildern aus dem Haslital und den Handlungsorten des Buches

Im Anschluss an die Lesung folgt ein Apero.

Alle sind herzlich eingeladen!

 

(Flyer können bei mir bestellt werden unter irene.hunziker65@gmail.com)